Zukunftsfähiges Controlling: Bausteine des Erfolgs

9. WHU Campus for Controlling

Was ist ein zukunftsfähiges Controlling und welche Bausteine führen zum Erfolg? Über 120 Konferenzteilnehmer erlebten in angenehmer Atmosphäre spannende Vorträge und Gespräche mit Controlling-Experten und Führungskräften aus einem breiten Spektrum von Branchen.

Prof. Jürgen Weber erläuterte zu Beginn, dass eine Kernaufgabe der Controller, die Rationalitätssicherung der Führung, künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen würde. Opportunismus und kognitive Begrenzungen der Manager machen eine Controlling-Kultur notwendig, die Transparenz, offenen Informationsaustausch, konstruktive Kritik und Zielorientierung zum Inhalt hat, will man Fehlentscheidungen reduzieren und zum Erfolg des Unternehmens beitragen.

Über systematisch auftretende Fehler, die aufgrund spezifischer menschlicher Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozesse entstehen könnten und für Unternehmen katastrophale Wirkungen haben, sogenannte Biases, berichtete auch Dr. Peter Scherpereel, Leiter Controlling Generation & Trading bei RWE. RWE, einer der führenden europäischen Versorger, hat Maßnahmen zur Prävention von Biases ergriffen und begonnen, Debiasing Techniken in seine Entscheidungsprozesse zu implementieren. Für die Effektivität der Maßnahmen seien jedoch weitere Faktoren maßgeblich. Die Schaffung eines Bewusstseins für das Thema, die Unterstützung des Top Managements sowie auch die Implementierung der Inhalte im Unternehmen, sei es durch Workshops, transparente Kommunikation wie auch die Berücksichtigung in Entscheidungsvorlagen.

Zalando sind mit dem Verkauf von einfachen Flip-Flops gestartet und seit Juni 2015 im MDAX gelistet. Sie haben heute einen Umsatz von 2,5 Mrd. Euro und zählen über 16 Millionen aktive Kunden. Dr. Jan Kemper (Senior Vice President Finance) und Dr. Jörgen Engelbergs (Vice President Controlling) von Zalando beschrieben ihren Controller in der Anfangszeit als Generalisten mit kaum Möglichkeiten zur Steuerung. Die Entwicklung hin zum kritischen Counterpart und Sparrings-Partner des Managements erfolgte kontinuierlich und im Hinblick auf die Bedürfnisse der Stakeholder. Zalando verfügt inzwischen über eine Controllingorganisation, die die Finanz-, Kunden- sowie Vertriebsperspektive verbindet und den notwendigen internen Informationsfluss ermöglicht.

Unter der dem Titel "Warum noch miteinander reden? - Die Interaktion von Controller und Manager in Zeiten der Digitalisierung" präsentierte Leona Wiegmann (Doktorandin am IMC) die neuesten Ergebnisse aus dem WHU Controllerpanel. Die Studie zeigt einerseits, dass sich durch moderne IT-Systeme der Aufgabenschwerpunkt der Controller weg von der Datenbeschaffung und –aggregation hin zu Datenanalyse und-interpretation sowie Kommunikation und Diskussion verschiebt. Das versetzt Controller in die Lage, stärker ihren Business Partner Aufgaben nachzugehen. Andererseits verdeutlichen die Studienergebnisse, dass Manager sehr zufrieden mit flexiblen und individuellen Self Service Möglichkeiten sind, also Möglichkeiten, sich selber und damit unabhängig vom Controlling zu informieren. Das führt jedoch nicht dazu, dass Manager auf die Diskussionen mit dem Controlling zu verzichten – im Gegenteil. Moderne IT-Systeme bieten eher die Chance, um stärker in einen inhaltlichen Dialog einzutreten und stärker gemeinsam an Problemen zu arbeiten. Wie diese Chance genutzt wird, hängt allerdings von beiden Seiten ab.

Die Leica Camera AG stand durch Fehlentscheidungen bei der Digitalisierung und historischen Entwicklungen vor zahlreichen Problemen. Mit dem Projekt „OSCAR“, das Volker Hagemann, Bereichsleiter Controlling , vorstellte, ist es dem Unternehmen gelungen, eine kundenorientierte Controlling Organisation zu etablieren, Anfragen und Berichte zu standardisieren sowie einen interaktiven Zugriff auf Zahlen und Berichte in Meetings zu ermöglichen. So wurde innerhalb des Controllings eine Rollenverteilung etabliert. Auf der einen Seite stehen die Experten, die fachliche Ansprechpartner für bestimmte Anwendungen, wie Einkauf oder Beteiligungen, sind. Auf der anderen Seite die Business Partner, die stärker kommunikativ und menschenorientiert sind und zentrale Ansprechpartner für die Manager der Ressorts bilden. Desweiteren wurden Anwendungen, Kennzahlen, Parameter und auch Filter detailliert definiert. Dadurch konnte die Kommunikation zwischen Manager und Controller (in der Rolle des Business Partner) erheblich präzisiert und somit auch verbessert werden. Diese einheitliche Basis erlaubte es im nächsten Schritt, die Zahlen, Informationen und Berichte online und aktuell zur Verfügung stellen zu können. Die Auswahlmöglichkeiten erlaubten eine flexiblere Nutzung je nach Interaktionsverlauf – all dies  führte insgesamt zu einer besseren Unternehmenssteuerung und Anerkennung beim Management.

Welches Anforderungsprofil werden Controller in Zukunft erfüllen müssen und welche Aufgaben kommen auf sie zu? Auf dem Podium diskutierten Volker Hagemann (Leica Camera AG), Dr. Mark Jehle (Merz Pharma GmbH & Co. KGaA), Stefan Prause (Bayer AG) und Björn Radtke (CTcon GmbH) über die nächste Generation der Controller. Für die Experten steht fest, dass höhere Erwartungen an den Business Partner gestellt werden und soziale Kompetenzen wie z.B. Interaktion und Kommunikation weiter an Bedeutung gewinnen werden. Für absehbare Zeit wird es jedoch weiterhin die Möglichkeit geben, neben der neuen, managementorientierten Karriere eines Businesspartners eine klassische Fachkarriere im Controlling anzustreben.

Der nächste WHU Campus for Controlling findet am 16. September 2016 statt.